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Kirchengemeinde Sankt Markus

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Stiftungen einst und heute in Regensburg

Der Gedanke in der Sorge um das eigene Seelenheil und das der Verstorbenen, Stiftungen zu gründen, reicht in Europa bis weit in das frühe Mittelalter zurück. So kommt auch der Begriff "stiften" aus dem Althochdeutschen und bedeutet soviel wie "spenden", "schenken", "bewirken" oder "gründen". Eine Stiftung ist demnach die Widmung eines Vermögens, sei es mittels Geld, Bauwerken, Einrichtungen oder in einer anderen Form, durch den Willen eines Stifters. Aus der Idealisierung von Armut und Barmherzigkeit im Christentum während des Mittelalters erwuchs eine besondere Verpflichtung gegenüber Armen und Bedürftigen, wie es auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 30 - 37) zum Ausdruck kommt. Und im Mathäusevangelium (6, 3 - 4) heißt es: "Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen sei und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir´s vergelten öffentlich."

Die so von Christus geforderte Nächstenliebe, schuf die ideelle Grundlage für die Entstehung und den Unterhalt von Spitälern. In Regensburg entstanden im Mittelalter rund 26 Spitäler und selbstständige Stiftungen. Eine der ältesten Stiftungen, die des Klosterspitals von St. Emmeram für Arme und Pilger, gegründet im Jahr 975, geht auf eine Schenkung des Markgrafen Berthold zurück. Auch in dem 1109 errichteten Benediktinerkloster Prüfening gab man sich in besonderer Weise der Armensorge hin.

Mit der Gründung von Almosenstiftungen entstand etwa ab dem 14. Jahrhundert eine neue Form der Armenunterstützung. Hier sei besonders die Stiftung "Reiche Almosen" aus dem Jahre 1469 des Regensburger Patriziers Hans Liskirchner erwähnt. In der nach ihm benannten Liskirchnerstraße, hat heute der evangelische Regionalbischof seinen Amtssitz.

Ausdruck vermehrter bürgerlicher Mitbestimmung war die Errichtung von Bürgerspitälern im ausgehenden Mittelalter. An der Nordwestecke der Arnulfinischen Stadtmauer, die heute nicht mehr existiert, wurde für das "Neue Spital", die Spitalkirche St. Oswald erbaut. Als Gründer werden die Bürger Karl Prager und Friedrich Auer genannt. An die beiden Stifterfamilien Prager und Auer erinnern noch heute die Steinwappen an der Nordseite des Chors in der seit der Reformation evangelischen St. Oswaldkirche.

Nachdem vor allem im 19. und 20. Jahrhundert der Stiftungsgedanke zwar nie ganz erlosch, aber im Vergleich zu mittelalterlichen Zeiten deutlich nachließ, ist in heutigen Tagen geradezu ein Boom an Stiftungsneugründungen zu verzeichen. Angesichts klammer Kassen sind Kirche und Staat dafür dankbar, dass ein Gedanke, der das gesamte Mittelalter hindurch Gültigkeit hatte, in unseren Zeiten wieder vermehrt aufgegriffen wird.

Insbesondere in unserer Landeskirche gibt es seit einigen Jahren Menschen, die in Form von Stiftungen ihr Vermögen zur dauerhaften Förderung verschiedener Zwecke einsetzen wollen. Bis Ende des Jahres 2003 konnte die Evangelisch-Lutherische Landeskirchenstelle Ansbach in ihrem Bereich 89 kirchliche Stiftungen zählen und hofft im Jahr 2004 die einhundertste Stiftung errichten zu können.

Auch die evangelische Kirche in Regensburg kann auf zwei Stiftungsneugründungen in jüngster Zeit verweisen. So war es möglich, durch das Engagement und die überaus großzügige finanzielle Unterstützung von Regensburger Bürgern, 1998 die Dank-Stiftung WiGuRe und 2003 die Stiftung "Evangelisch in Regensburg" zu gründen.

Oliver Kleinke
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