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Kirchengemeinde Sankt Markus

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Unser Gemeindemitglied Frau Gisela Zundel hat uns in der Passionszeit 2004 ein einmaliges christliches Kunstwerk zur Präsentation in der Markuskirche anvertraut, den Holzschnittzyklus "Drama des Kreuzwegs" von Karl-Heinz Hansen-Bahia.

Barbara Zinnecker hat ihn für unsere Internetseite fotografiert.

zu den Bildern des Kreuzwegs
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Einführungsvortrag von Gisela Zundel vom 3.3.2004

Karl-Heinz Hansen wurde 1915 in Hamburg geboren, das Meer spielte deshalb immer eine Rolle in seinem Leben. Nach einer Malerlehre diente er bei der Marine, nahm am 2. Weltkrieg teil und erlebte das Kriegsende an der Oderfront. Sicher beeinflussten auch die Kriegserlebnisse sein künstlerisches Schaffen.

Erste Holzschnitte, Einzelblätter religiösen und zeitkritischen Inhalts fertigte er 1946. Er war Autodidakt.
Als Matrose kommt er über Skandinavien und England 1949 nach Brasilien und lebt in São Paulo, wo er als künstlerischer Berater und Buchillustrator für den Verlag Melhoramentos tätig ist, außerdem unterrichtet er. Bereits in Deutschland wurde er mit Buchillustrationen von Kinderbüchern bekannt.

Bereits im Jahr 1950 findet eine erste, individuelle Ausstellung mit seinen Werken im Museo de Arte in São Paulo statt. Weitere, individuelle Ausstellungen folgen in Rio de Janeiro und Brasília. Auch nimmt er in den Folgejahren an den Internationalen Bienalen in São Paulo teil.

1970 erhält er bei der 2. Internationalen Bienale für Grafik in Buenos Aires den Amerika-Preis. In der Begründung heißt es, er repräsentiere in seinen Werken den amerikanischen Geist am besten. Seine Buchillustrationen tragen zu seiner Bekanntheit bei. Insgesamt hat er 36 Bücher illustriert, wovon zwei als bestes Buch des Jahres in Deutschland ausgezeichnet wurden.

Großen Einfluss gewinnt Brasilien in seinem Schaffen, als er 1955 in das tropische Salvador, auch Salvador da Bahia de todos os Santos genannt (Erlöser der Bucht aller Heiligen, die Bucht wurde an einem Allerheiligen Tag von den Portugiesen entdeckt) übersiedelt. Bahia ist die älteste Stadt Brasiliens, wurde 1549 gegründet, war mehr als 200 Jahre Hauptstadt von Brasilien und Sitz der Vizekönige von Portugal.

Bahia ist die afrikanischste Stadt Brasiliens. Sie war der Haupthafen für den Sklavenhandel der Menschen aus Afrika. Auch Hansen hat sich mit dem Thema Sklavenhandel beschäftigt. Er illustierte das Buch von Castro Alves "Sklavenschiff". Die Afrikaner wurden summarisch getauft, ohne in der christlichen Religion unterwiesen zu werden. Zutritt wurde ihnen aber nur in der Kirche N.S. do Rosário gewährt. Die Sklaven brachten ihre afrikanischen Gottheiten mit, die sie noch heute verehren und die sie mit den christlichen Heiligen vermischten. Auch Gerichte, Lieder und Tänze brachten sie mit. Da sie keine Waffen tragen durften, entwickelten sie den Candomblé, einen Kampftanz.

Die in Bahia lebenden Menschen bilden ein großes Völkergemisch: Portugiesen, Afrikaner, Indianer und Menschen aus dem Vorderen Orient wie Syrer und Libanesen trugen dazu bei. Die Portugiesen haben nie eine Apartheid betrieben, und so finden sich besonders in Bahia alle Hautschattierungen.

Hansen lässt sich in der historischen Altstadt, in der Nähe des Pelourinho, nieder. Der Pelourinho ist ein Häuserensemble aus der Kolonialzeit, an einer ansteigenden Straße gelegen. Dort oben steht der Pranger, an den früher die Straftäter, besonders auch die Sklaven gestellt wurden, wenn ihnen das Strafmaß verkündet wurde.

Die reichen Fazendeiros, die Gutsherren, hatten diese schönen Häuser errichtet. Mit der billigen Arbeitskraft der Sklaven für den Anbau von Zuckerrohr, Kakao und Tabak waren sie reich geworden. Später sank die Gegend zu einem Armenviertel herab, heute ist sie aufwendig restauriert worden und gehört zum Weltkulturerbe der Menschheit.

Am Pelourinho gab es eine Kneipe "Flor de São Miguel", der Hansen mit einer Holzschnittfolge ein Denkmal gesetzt hat. [...] Unter diesem Leben am Pelourinho muss man ein wenig den Kreuzweg sehen. Hier erscheinen alle diese Menschen, auch die Militärs, die vom Volk mit dem Schimpfnamen "Gorillas" belegt werden, als die Henkersknechte. Zur Zeit der Entstehung des Kreuzweges herrscht in Brasilien die Militärdiktatur. Hansen stellt deshalb die Militärs gorillahaft dar. Dann sind da noch die "cangaceiros", die Banditen, zu sehen. Das sind die Männer mit den Lederhüten und dem umgehängten Patronengürtel. Früher haben sie die Menschen im Nordosten Brasiliens drangsaliert.

Hansen kehrt 1959 für drei Jahre nach Deutschland zurück, wo er sich auf der Burg Tittmoning ein Atelier einrichtet. Viele großformatige Holzschnitte mit Themen aus Brasilien entstehen hier. 1963 erhält er eine Einladung nach Adis Abeba, um dort an der Kunstakademie zu unterrichten. 1966 kehrt er anlässlich einer Ausstellung nach Brasilien zurück.

Mit seiner zweiten Frau, ebenfalls Künstlerin, lässt er sich am Strand von Itapuã nieder, baut sich aus zunächst bescheidenen Anfängen dort ein Haus mit Atelier.
Er nimmt die brasilianische Staatsangehörigkeit an und den Beinamen "Bahia", nennt sich also seitdem Hansen-Bahia.

Befreundet ist er mit den bedeutendsten Künstlern des Landes, vor allem mit denen aus Bahia, so auch mit dem Romancier Jorge Amado. Dieser hat die Texte zu den einzelnen Kreuzwegstationen verfasst. Hansen-Bahia wird als Professor für Grafik an die Universität in Bahia berufen.

1967 schafft er die in Holz geschnittenen Kreuzwegstationen. Geschehen lässt er das Leiden Christi am Pelourinho, er identifiziert sich aber auch selbst mit dem Leiden des Volkes, das intensiv an der Passion teilhat, wie Jorge Amado es ausdrückt: "Der sich dem Volk in Angst und Hunger solidarisch zugesellte, und der in Holz geschnitten wurde".

1968 - 1970 schafft er großformatige Holzschnitte und für die Banco Comercial do Nordeste ein 24 qm großes Holzrelief "O Cangaceiro". Zu seinen jüngsten Arbeiten gehören Holzschnitte zu antiken Themen und sozusagen als Vermächtnis eine weitere Kreuzwegfolge "Knie nieder, wenn Du kannst", in der das zeitlose Leiden Christi aus dem Tagesgeschehen heraus interpretiert wird.

Die letzten Jahre vor seinem Tod lebte er mit seiner Frau in São Felix, in der Nähe von Bahia. 1976 gründet er eine Stiftung in Cachoeiro, der er viele seiner Werke, Druckstöcke und Arbeitgeräte vermacht. Auch die Fazenda Santa Barbara hatte, geht in die Stiftung ein. Seit vielen Jahren gibt es in Cachoeiro ein Museum Hansen-Bahia.
Hansen-Bahia stirbt 1978 in São Paulo.




Ausstellung in der Markuskirche vom 3.3. bis 9.4.2004
Weitere Abbildungen und Fotos:   
www.hansen-bahia.de